zdf.kultur verschandelt Klassiker-Wiederholungen hässlich

Hier dreht sich alles um selten oder lange nicht mehr gesendete Serien!
c.n.-tonfilm
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Beitrag von c.n.-tonfilm » 15.05.2011, 21:53

Hier nun mein öffentlicher Brief, der heute ans ZDF rausging:


Zwangsrahmen bei Klassikern - Fehlentscheidung bei zdf.kultur

Sehr geehrter Herr Schächter,
sehr geehrter Herr Dr. Langenstein,
sehr geehrter Herr Polenz,
sehr geehrter Herr Bergmann,
sehr geehrter Herr Fiedler,

gestatten Sie bitte, dass ich mich heute in einem offenen Brief an Sie wende in Ihren Funktionen als Intendant des ZDF, Chef von zdf.kultur, Vorsitzender des Fernsehrats, ZDF-Koordinator Kultur und Programmchef von zdf.kultur.

Seit Bestehen war ich treuer Zuschauer des ZDF Theaterkanal und habe dort vor allem die Wiederholung von klassischen ZDF-Sendungen der 60er bis 80er Jahre besonders geschätzt. Da den Ankündigungen zu entnehmen war, dass im Nachfolgesender zdf.kultur nostalgische Programme ebenfalls regelmäßig ausgestrahlt werden sollen, fiel mir der Abschied vom liebgewonnenen Theaterkanal zunächst nicht ganz so schwer.

Schockiert mußte ich zusammen mit vielen anderen Zuschauern mit Aufnahme des Sendebetriebs von zdf.kultur nun feststellen, dass ab sofort das Bild aller Fernsehklassiker bzw. alten Sendungen nur noch in einer durch einen grünen Rahmen beschnittenen und verstümmelten Weise ausgestrahlt wird.

Laut Sendersprecherin Andrea Steinle will zdf.kultur damit seinen "Zuschauerinnen und Zuschauern die Betrachtungswirklichkeit damaliger TV-Geräte (...) simulieren.“ Programmchef Daniel Fiedler erklärte dazu: „Der Rahmen visualisiert die Sehgewohnheiten der 80er. Alte Serien in 4:3 auf dem Plasmaschirm zu gucken, das ist unnatürlich. So sahen sie nämlich nie aus. Der Rahmen bringt uns die Optik des guten, alten Röhrenfernsehers zurück - so sah man "Dalli Dalli" eben früher. Wir haben also keinen Knall, sondern sind hier ganz traditionsbewusst. Ein Fernsehexperiment mit dem Blick zurück."

Wer ernsthaft so argumentiert, verwechselt Nostalgie mit Rückschritt. Herr Fiedler verkennt grundlegend, dass Nostalgie gerade nicht bedeutet, sich nach fehlendem Strom und Wasser oder dem Plumpsklo auf dem Hof zurückzusehnen, sondern ein Bedürfnis nach innerer Rückbesinnung auf vergangene Werte ausdrückt. Die Mehrheit der Konsumenten möchte genau das, was Herr Fiedler uns Zuschauern bisher kategorisch verweigert: Gutes von Gestern in bestmöglicher Qualität und in unbeschnittenem Original-Bildformat in digitalen Abtastungen mit der Technik von heute auf dem großen Bildschirm genießen.

Das das Sinn macht und sogar Erfolg bringt, beweisen nicht nur aufwendig restaurierte DVDs und Blu Rays alter Spielfilm- und Serienklassiker, sondern auch ein Fernsehsender wie arte. Die Kultserie „The Prisoner“ wurde dort erstmals in brillianten Neuabtastungen von überwältigender Qualität gezeigt und stieß auf ungeheuere Resonanz. arte wurde mit guten Quoten und positiver Imagewahrnehmung belohnt und die Ausstrahlung geriet zu einem echten Fernseh-Ereignis. In Foren und Feuilletons wurde eifrig diskutiert. Zuschauer, die die Serie von früher kannten, waren verblüfft, was es - im wörtlichen Sinne - in den Bildern plötzlich zu entdecken gab. Junge Zuschauer erlebten, dass Fernseh-Nostalgie nichts mit „Mottenkiste“ zu tun haben muß. Damit ist es arte gelungen, eine echte Brücke vom Früher ins Heute zu bauen. Hier wurde dem Zuschauer die Möglichkeit gegeben, eine unvoreingenommene Entdeckungsreise in vergangene Fernsehjahre zu unternehmen, sich zum Nachdenken anregen zu lassen und aus dem Gesehenen eigene Schlüsse und Lehren zu ziehen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die bewußte Entscheidung der Redaktion zdf.kultur, nun auf mutwillig schlechte Präsentation und Verstümmelung von Kulturgut zu setzen, als ein völlig verfehltes Signal und eine Bankrotterklärung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland. Bei einem Film von Hitchcock würde heute niemand auf die Idee kommen, nachträglich Spratzer und Laufstreifen in den Film einzublenden, weil die seinerzeit bei der Projektion in einem Vorstadtkino auch zu sehen waren. Das Schaffen eines aufrechten Mannes wie z.B. Hans Rosenthal oder die Regie-Arbeiten von „Kommissar“ Erik Ode haben eine derartige Behandlung genauso wenig verdient.

Hinzu kommt, dass die Manipulation von Klassikern der Fernsehunterhaltung im Programmplatz „ZDFkult“ durch die Zwangsberahmung in mehrfacher Hinsicht diskriminierende Wirkung hat. Diskriminiert wird zum einen ausgerechnet die kleine Zuschauerschaft eines Nischenprogramms mit unter 1% Marktanteil, das sich für historische Programminhalte interessiert, die in anderen Kanälen ohnehin rar geworden sind. Diskriminiert wird zum zweiten aber auch der ursprüngliche Programminhalt selbst, da von dritter Seite eigenmächtig nachträglich ein schwerwiegender Eingriff in Substanz und Gehalt der Sendungen vorgenommen wird. Der Eingriff wurde durch die ursprünglichen Urheber dieser Produktionen weder legitimiert noch autorisiert.

Der Sender zdf.kultur drängt sich mit dieser Aktion lediglich selbst in den Vordergrund, hält damit die Präsentation für wichtiger als den kulturellen Gehalt und stellt dadurch unverhohlen zur Schau, dass er Kulturschaffen nicht achtet und wertschätzt, sondern lediglich zur eigenen Selbstdarstellung mißbraucht. Genau dies bestätigt auch die offizielle Stellungnahme von Andrea Steinle: „Auch wenn der Grafikrahmen für einige Zuschauer befremdlich wirken mag, ist er wichtiger Bestandteil der Programmstrecke "ZDFkult". (…) Der Rahmen ist nur während der Programmstrecke "ZDFkult" geschaltet und überdies Bestandteil des Gesamtdesignkonzeptes von ZDFkultur. Hierfür bitten wir Sie um Verständnis.“

Nein! Für selbstzweckhafte Eingriffe in fremdes Kulturschaffen haben wir gerade auf einem vorgeblichen „Kultursender“ kein Verständnis! Die Zeit, als man Cinemascope-Filme für die Ausstrahlung im Fernsehen an den Seitenrändern brutal um bis zu 50% des Bildes beschnitt, liegt offenbar schon zu lange zurück, als das daraus heute noch Lehren im umgekehrten Sinne gezogen werden würden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den klassischen Fernsehprogrammen würde vielmehr beinhalten, diese in Ihrer Integrität zu erhalten und in technisch bestmöglicher Qualität öffentlich zugänglich zu machen. Die Ausstrahlung einer Kultserie wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ würde z.B. auch auf arte mit vergleichbarer Zwangsberahmung weder Erfolg haben noch Zuspruch finden.

Es stellt sich die Frage, warum also die Diskriminierung durch Verstümmelung sich ausgerechnet und ausschließlich gegen die Zuschauer eines Nischensendeplatzes mit dem Interesse für alte Fernsehklassiker richtet. Viel naheliegender wäre doch, aktuelle Eigenproduktionen von zdf.kultur durch ein entsprechendes „Gimmick“ - z.B. mit der Umrahmung des Fernsehbilds durch einen stilisierten Ipod – auszustatten. Hier läge die Entscheidung über Inhalt und Präsentationsform dann auch einheitlich in Händen der Urheber selbst. Man unternimmt dies natürlich nicht, weil klar ist, dass es z.B. bei aktuellen Unterhaltungsserien für eine solche Umrahmung genauso wenig Akzeptanz geben würde, wie bei alten Klassikern.

Mittlerweile erhärten sich die Verdachtsmomente, dass die Zwangsberahmung in Wirklichkeit auf Druck der privatwirtschaftlichen Firma ZDF Enterprises, die die Lizenzen von ZDF-Sendungen vermarktet, hinzugefügt werden mußte. Im Hintergrund könnte das finanzielle Interesse stehen, die Ausstrahlungen für den Zuschauer bewußt unattraktiv zu halten und dadurch die Absatzchancen für DVDs zu erhöhen. Damit würde faktisch ein Weg gefunden, den Gebührenzahler für einen Inhalt, für den er bereits bezahlt hat, ein zweites Mal zur Kasse bitten zu können. Wer das Programm ohne Rahmen sehen will, muß ab sofort DVDs kaufen. Ein solches Vorgehen würde in jedem Fall einen schweren Verstoß gegen den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag darstellen. Befremdlich ist, dass dieser Punkt in den bisherigen Stellungnahmen von zdf.kultur bislang komplett ausgeklammert wurde. Die Kollegen von arte haben das übrigens nicht nötig. „Mit Schirm, Charme und Melone“ wurde inzwischen sogar wiederholt und steht als Ausstrahlung trotzdem nicht in Konkurrenz zur DVD-Vermarktung.

Beim telefonischen Kontakt mit einem genervten und überforderten Mitarbeiter der Zuschauerredaktion erhielt ich die Auskunft, dass letzte Woche täglich rund 600 Beschwerden gegen den Rahmen per Telefon, Mail und auf weiteren Kommunikationswegen beim ZDF eingingen. Diese hohe Anzahl an Beschwerden ist umso repräsentativer, da die Einschaltquoten für den entsprechenden Programmplatz derzeit unter der Meßschwelle von 5000 Zuschauern liegen. Dennoch zeigte man kein Einlenken und stellte sich weiterhin stur und ignorant gegen das Interesse der Zuschauer und Gebührenzahler, wie das Interview mit Herrn Fiedler am 13. Mai bei sat+kabel beweist.

Nach wie vor hat heute jeder Zuschauer die Möglichkeit, alte und neue Programme seiner Wahl auch auf einem Röhrengerät zu sehen, wenn er dies wünscht. Es besteht darüber hinaus keine Veranlassung, der Mehrzahl der Zuschauer, die moderne Geräte für Ihren Fernsehkonsum nutzen und bevorzugen, einen bestimmten, rein subjektiven Blickwinkel in bevormundender Weise aufzuzwingen.

Die Bilanz nach der ersten Woche zdf.kultur: Kulturbolschewismus statt Qualität und blitzschnelle Beerdigung aller guten Tugenden des alten ZDF Theaterkanal. zdf.kultur versucht sich im Moment auf verkrampfte Weise trendig und pseudo-hip zu geben und mit der Brechstange die aufgepfropften Manierismen der Privaten nachzuäffen. In Wirklichkeit macht man sich nur unglaubwürdig und lächerlich - und und bemerkt dies scheinbar nicht einmal.

Die wichtigste Frage aber lautet: Wer soll so eigentlich Zielgruppe des neuen Senders sein? Nostalgieliebhaber und Retro-Fans lehnen die Verstümmelung rundum ab. Jugendliche Zuschauer haben an alten Sendungen entweder generell gar kein Interesse oder sehen sich solche Programme selbstverständlich nur dann an, wenn sie in guter Qualität ausgestrahlt werden. Mit dem aufdringlichen Rahmen auf teuren Plasma-Bildschirmen fühlen sich also Nostalgiker wie junge Zuschauer gleichermaßen gestört und für dumm verkauft. Mit der derzeitigen Bevormundung durch den Zwangsrahmen verprellen zdf.kultur und sein Programmchef Herr Fiedler im Moment folglich beide Zielgruppen.

Auch wenn ich viele der betroffenen Nostalgie-Sendungen sehr gerne sehen würde, habe ich aus der einfältig-antiquierten Präsentationsweise und dem bisherigen arroganten Verhalten von zdf.kultur die einzig richtige und mögliche Konsequenz ziehen müssen. Ich schalte zdf.kultur nicht mehr ein und habe diesen Sender aus der Programmliste meines Tuners gelöscht. Im Freundes- und Bekanntenkreis werde ich mich derzeit ausschließlich negativ über zdf.kultur äußern. Sobald ich den Medien entnehmen kann, dass der Rahmen entfernt wurde und zdf.kultur sich damit von einem PROGRAMM AUS SELBSTZWECK zu einem PROGRAMM FÜR ZUSCHAUER wandelt, werde ich zdf.kultur gerne wieder einprogrammieren und einschalten – vorher nicht!

Herr Schächter, Herr Dr. Langenfeld, Herr Polenz - bitte sprechen Sie ein Machtwort gegen diese gravierende Fehlentscheidung bei zdf.kultur! Für Ausgrenzung von Zuschauergruppen und bestimmten Inhalten per se sollte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kein Raum bestehen. Bitte sorgen Sie rasch dafür, dass die diskriminierende Präsentation der Fernsehklassiker mittels des aufgezwungenen Rahmens oder anderer stigmatisierender „Gimmicks“ unverzüglich wieder eingestellt wird. Für Ihre Bemühungen sage ich Ihnen bereits heute im Voraus herzlichen Dank.

Bis zu Ihrer geschätzten Rückantwort verbleibe ich mit den besten Grüßen,

Ihr c.n.-tonfilm



Bitte gern weiterverbreiten. :wink:

Locator
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Beitrag von Locator » 21.05.2011, 19:36

@c.n.-tonfilm:
Hallo,
hast du schon eine Reaktion oder so vom ZDF bekommen?
MfG Locator

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 22.05.2011, 17:59

Bisher gabs nur eine Lesebstätigung von der Mailadresse vom Fernsehrat. Von den anderen Adressen kam keine Lesebestätigung; aber die kann man ja wegklicken. Eine direkte Antwort kam noch nicht. Laut Beschwerdeverfahren sollte der Intendant mir aber binnen eines Monats antworten http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=588#c895

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 31.05.2011, 18:21

Inzwischen kam die erste direkte Reaktion auf meinen offenen Brief vom 15.05. - von Dr. Gottfried Langenstein, Direktor Europäische Satellitenprogramme:


Sehr geehrter Herr c.n.-tonfilm,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir bedauern sehr, dass Ihnen die grafischen Gestaltung der Kultschiene von ZDFkultur nicht gefällt.
Ich darf Sie aber darauf hinweisen, dass Sie den Rahmen individuell ausblenden können, indem Sie durch Drücken der Taste „Bildschirmgröße“ im Menü Ihres Fernsehers/Receivers das Format verändern. Mit den Einstellungen "16:9", "Zoom" oder "Cinema" wird der Effekt des Rahmens minimiert bzw. der Rahmen verschwindet ganz.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gottfried Langenstein
_______________________________________

ZDF/arte/3sat
Dr. Gottfried Langenstein
Direktor Europäische Satellitenprogramme
55100 Mainz
Deutschland

Telefon: +49 6131 70-16400
Telefax: +49 6131 70-16805
E-Mail: Langenstein.G@zdf.de
Web: www.3sat.de

anders fernsehen



Ein Armutszeugnis, so verheerend, wie ich es denn doch nicht erwartet hätte.

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Beitrag von Locator » 31.05.2011, 22:42

Diese armselige Antwort hätte der sich auch sparen können...
MfG Locator

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 06.06.2011, 18:11

Inzwischen kam folgende schriftliche Reaktion vom Fernsehrat:

Bild

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Beitrag von Locator » 06.06.2011, 19:39

Habe es gelesen.
ich sagte ja schon mal, dies sollte über den Intendanten des ZDF laufen... Und so scheint es ja jetzt auch zu sein, dem Schreiben nach.
MfG Locator

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 14.06.2011, 19:01

zdf.kultur Programmchef Daniel Fiedler aktuell im Interview:
http://www.digitalfernsehen.de/index.php?id=57496

Zitat daraus:
digitalfernsehen: Gleich zu Beginn des neuen Programms gab es eine Protestwelle gegen den grünen Rahmen auf der "ZDF Kult"-Strecke. Wie stehen sie zu dem Retro-Rahmen und wird er verschwinden?

Fiedler: Auch die Kritik an unserem Retrorahmen gehört zu den Überraschungen. Mit ZDF Kultur haben wir eine klare Haltung, mit der wir die Perlen der ZDF-Unterhaltungsgeschichte ausstrahlen. Das geht nicht unkommentiert auf diesem Sender. Der Rahmen visualisiert die Betrachtungswirklichkeit der 80er Jahre, natürlich nicht historisch, sondern augenzwinkernd und spielerisch. Das gefällt manchen Zuschauern nicht, anderen dagegen sehr. ZDF Kultur ist kein Konsensfernsehen, sondern eine popkulturelle Marke. Wer "Disco" und "Hitparade" ohne Rahmen sehen möchte, der hat die Kultnächte im ZDF-Hauptprogramm. Auf ZDF Kultur gibt's diese Sendungen nur mit Rahmen.


Wie diese "Haltung" im Einzelnen aussieht zeigt die Anmoderation, die Jo Schück am 07.06.2011 zur Ausstrahlung von "Dalli Dalli" sprach:

"Es klingt ein bisschen wie - das Drehbuch von - noch einem Nazi-Film. Der kleine Hans verliert seine Eltern an Krankheiten noch bevor er 16 wird, sein Bruder stirbt während des Holocausts. Hans versteckt sich während des Krieges drei Jahre lang in einer Schrebergartenkolonie - und überlebt. Nach dem Krieg wird er Entertainer, Regisseur und Moderator und irgendwann landet er im ZDF. Der kleine Hans heißt mit Nachnamen "Rosenthal" - "Dalli - Dalli""

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 06.07.2011, 19:16

Während meines Urlaubs traf nun der Brief von ZDF-Intendant Markus Schächter ein:

Bild

Nach dem Prinzip "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" beißt er sich in Nebensächlickeiten fest, um die wesentlichen Fragen zu ignorieren, zeigt wiederum keinerlei Verständnis für die Bedürfnisse der gebührenzahlenden Zuschauer, lässt jegliche Kompromissbereitschaft vermissen und kann als Antwort auf den offenen Brief nur als Themaverfehlung gewertet werden. Schwach und traurig. Insoweit ist eine Behandlung durch den Fernsehrat leider unumgänglich.

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Beitrag von c.n.-tonfilm » 10.07.2011, 09:10

Hier gibt es ein neues leider, sehr unkritisches Portrait des zdf.kultur Programmchefs Daniel Fiedler:
http://www.digitalfernsehen.de/Portrait ... 957.0.html

Es ist die Geschichte vom Theaterwissenschaftler, der als Seiteneinsteiger zum Fernsehen kam und schließlich den Theaterkanal abschaffte. Wie heißt es da so schön: "Am liebsten sitze ich im Moment da und schweige"...

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Anträge zur Entscheidung durch den Fernsehrat § 21 ZDF-Satzg

Beitrag von c.n.-tonfilm » 26.07.2011, 20:41

Anträge und Begründung zur Entscheidung durch den Fernsehrat gemäß der zweiten Stufe des förmlichen Beschwerdeverfahrens gemäß § 21 ZDF-Satzung http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=588#c895 sind abgeschickt:


Sehr geehrter Herr Polenz,

mit großer Enttäuschung habe zur Kenntnis genommen, dass das mir durch Herrn Schächter übersendete Antwortschreiben vom 24.06.2011 die wichtigsten Argumente meiner Programmbeschwerde vom 15.05.2011 nicht thematisiert und auf den wesentlichen Kern der Beschwerde gar nicht eingeht. Insoweit stelle ich gemäß der zweiten Stufe des förmlichen Beschwerdeverfahrens gemäß § 21 ZDF-Satzung hiermit folgende Anträge zur Entscheidung durch den Fernsehrat:


I) Anträge


A) Feststellung durch den Fernsehrat, dass der Zwangsrahmen bei Nostalgie-Sendungen in der Themenschiene zdf.kult auf zdf.kultur eine subjektiv-kommentierende und damit bevormundende und diskriminierende Wirkung aufweist, die nicht mit dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag vereinbar ist.

B) Veranlassung durch den Fernsehrat, dass die Sendungen nach den Grundsätzen der Meinungs- und Kunstfreiheit (Art 5 GG) künftig bei der Ausstrahlung nicht mehr mit dem Zwangsrahmen oder einer vergleichbaren Kommentierung versehen werden. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass insbesondere eine denkbare Kunstfreiheit von Programmchef Daniel Fiedler und der Redaktion, Sendungen nach persönlichem Geschmack wertend kommentieren zu wollen, seine Schranke in dem Bedürfnis der Urheber dieser Sendungen und der Zuschauer findet, dass die Sendungen neutral präsentiert werden und unkommentiert zu sehen sind. Hilfsweise soll im Sinne eines geringsten denkbaren Kompromisses eine Verpflichtung von zdf-kultur erfolgen, von jeder kommentiert ausgestrahlten Sendung zumindest jeweils einen Wiederholungstermin in neutraler Ausstrahlung anzubieten.


II) Hintergründe

Bevor die o.g. Anträge nochmals in einzelnen Punkten begründet werden, zu denen übersichtlich Stellung bezogen werden kann, vorab folgende Hintergrundinformationen, die für die weitergehende Gesamtbeurteilung von Bedeutung sind:

Vor Erstellung der Programmbeschwerde versuchte ich nach Ablauf der ersten Sendewoche von zdf.kultur am 13.05.2011 Programmchef Daniel Fiedler telefonisch zu erreichen. Dies war nicht möglich; statt dessen verband man mich mit Herrn XX, mit dem ich ca. 30 Minuten telefonierte. Herr XX teilte mir mit, dass er aus Sorge vor persönlichen Nachteilen nicht namentlich in Erscheinung treten möchte, daher wird sein Name in den öffentlich zugänglichen Versionen dieses Schreibens geschwärzt. Herr XX war bereits beim Theaterkanal für die Auswahl der Nostalgieprogramme zuständig und arbeitet in dieser Funktion jetzt bei zdf.kultur. Er ist insbesondere bei vielen Zuschauern des Theaterkanals für seine raschen und freundlichen Antworten bei Anfragen zum Programm und die engagierte Betreuung der Nostalgieprogramme gut bekannt. Herr XX teilte mir mit, dass seit Montag den 09.05.2011 täglich rund 600 Zuschauer per Mail oder Telefon gegen den Rahmen protestierten und er wenig Verständnis dafür aufbringen könne, dass diese erbosten Zuschauer nun alle zu ihm durchgestellt würden, der er im Vorfeld des Sendestarts von zdf.kultur alles Menschenmögliche versucht hatte, die subjektive Kommentierung der Sendungen zu verhindern.

Herr XX erklärte mir, dass nach Ansicht von Programmchef Daniel Fiedler und der Redaktion die Nostalgieprogramme heute nicht mehr zeitgemäß wären und nicht zum angestrebten jugendlichen Image des neuen Senders passen würden. Daher wolle man diese Sendungen explizit im Sinne von „Vorsicht alt!“ kennzeichnen, um die Eigenproduktionen insoweit von diesen Programmen abzugrenzen. Auch solle dadurch unzweifelhaft kenntlich gemacht werden, dass es sich nicht um aktuelle Produktionen von zdf.kultur handelt. Ursprünglich wollte man das Bild mit einem goldenen Barockrahmen versehen, um die Altertümlichkeit der Sendungen zu unterstreichen. Herr XX handelte die Redaktion schließlich auf den TV-Monitor in der jetzigen Form herunter.

Meinen vorgetragenen Argumenten und dem Vorwurf, eine solche Sichtweise und Behandlung lasse Abgrenzung zur Ausgrenzung werden und sei doch in höchstem Maße diskriminierend, stimmte Herr XX zu. Er habe mit eben den von mir vorgebrachten Argumenten ein Jahr lang eindringlich versucht, seine Vorgesetzten davon abzuhalten, die Kommentierung durchzuführen und hierbei auch immer wieder auf den zu erwartenden Protest der Zuschauer hingewiesen. Jedoch sei seine Stellung in der Hierarchie des Senders nicht hoch genug, als dass er sich damit hätte durchsetzen können. Herr XX war der Ansicht, ein Umdenken könne wohl nur dann einsetzen, wenn genügend Zuschauer sich dauerhaft beschweren würden. Da Herr Fiedler für mich auch in Folge nicht zu sprechen war, verfasste ich die Programmbeschwerde. Bezeichnend ist, dass Herr Fiedler als direkt Verantwortlicher für den Zwangsrahmen bis heute nicht darauf geantwortet hat. Auch Herr Dr. Langenstein ging in einer kurzen E-Mail-Antwort auf die zentralen Kernfragen der Beschwerde nicht ein. Am 10.06.2011 brachte ich daher alle wesentlichen Argumente in einem etwa einstündigen Telefonat nochmals bei Herrn Mütter, dem Referenten von Herrn Dr. Langenstein persönlich vor.

Durch die Aussagen von Herrn XX, die auch einer Vielzahl anderer Zuschauer bekannt sind, die sich bei zdf.kultur beschwert haben, ist glaubhaft belegt, dass Herr Fiedler die Öffentlichkeit täuscht indem er in Interviews äußert: „(...) auch die Kritik an unserem Retrorahmen gehört zu den Überraschungen.“ (Quelle: http://www.digitalfernsehen.de/index.php?id=57496 ). Die Mitteilung von Herrn Schächter, die Redaktion positioniere sich durch den Retro-Rahmen „bewusst zu den Programmen und wirbt für ein Verständnis der Programme aus früherer Entstehungszeit heraus.“ erscheint vor diesem Hintergrund als Verdrehung der wahren Absichten ins genaue Gegenteil. Die Programme können gut für sich selbst stehen, Werbung um Verständnis benötigen sie nicht – außer bei den Verantwortlichen von zdf.kultur. Dennoch verweigert man ihnen für sich selbst zu sprechen. Die Entscheidung wurde von der Redaktion auch nicht „wohl überlegt getroffen“, da die gewichtigen Argumente gegen den Rahmen bereits lange vor Sendestart durch Herrn XX thematisiert waren und dennoch von den Verantwortlichen ignoriert wurden.


III) Gründe

Gegen den Rahmen sprechen folgende Argumente:

1) Der Rahmen stellt keine bloße Geschmacksfrage dar, sondern eine subjektiv motivierte Zwangsmaßnahme mit bevormundender Wirkung, die dem Zuschauer die Möglichkeit nimmt, selbst zu entscheiden, wie er diese Programme sehen und werten möchte. Der Rahmen betont lediglich einseitig das Element des „Gestrigen“ und verhindert dadurch, die Programminhalte unbeeinflusst wahrzunehmen und eine eigene objektive Beurteilung vornehmen zu können. Somit hindert er insbesondere die junge Generation an der Heranbildung eigenständiger, unbefangener Medienkompetenz und zementiert statt dessen lediglich eine beliebig vorgegebene undifferenzierte Sichtweise, die einem Vorurteil gleichkommt.

2) Programmchef Daniel Fiedler räumt selbst ein, dass Ziel des Rahmens eine Kommentierung der Sendungen ist, die eine neutrale Wahrnehmung gezielt verhindern soll: „Mit ZDF Kultur haben wir eine klare Haltung, mit der wir die Perlen der ZDF-Unterhaltungsgeschichte ausstrahlen. Das geht nicht unkommentiert auf diesem Sender. (Warum nicht?; Anm. d. Verf.) Der Rahmen visualisiert die Betrachtungswirklichkeit der 80er Jahre, natürlich nicht historisch, sondern augenzwinkernd und spielerisch. Das gefällt manchen Zuschauern nicht, anderen dagegen sehr. ZDF Kultur ist kein Konsensfernsehen, sondern eine popkulturelle Marke. Wer "Disco" und "Hitparade" ohne Rahmen sehen möchte, der hat die Kultnächte im ZDF-Hauptprogramm. Auf ZDF Kultur gibt's diese Sendungen nur mit Rahmen.“ (Quelle: http://www.digitalfernsehen.de/index.php?id=57496 )

3) Dem Rahmen hat damit eine eindeutig wertende Funktion. Über ihn wird eine Vielzahl unterschiedlichster Programmtypen ohne Rücksicht auf Inhalte willkürlich in einen Topf geworfen und mit einem plakativen Stempel „Alt“ versehen. Mit dieser Stigmatisierung sprechen Programmchef Daniel Fiedler und die Redaktion dem Zuschauer jede eigene Mündigkeit ab, Ernstes und Heiteres, Sinn und Unsinn, Zeitloses und Überholtes, Humor und unfreiwillig Komisches in diesen Programmen für sich selbst zu entdecken und entsprechend einzuordnen. Gleichzeitig wird der Allgemeinheit die Sichtweise von Herrn Fiedler und der Redaktion dauerhaft aufgezwungen. Im Sinne des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant ist diese wertende Kommentierung diskriminierend, weil sie sich ausschließlich gegen Nostalgieprogramme richtet und diesen damit als einzigen gegenüber allen anderen Programmen die neutrale, gleichwertige Präsentation auf dem Sender verweigert. Das hat die Wirkung einer Abgrenzung i.S.v. Ausgrenzung. Daher ist es unerheblich, dass laut Herrn Schächter hinter dem Rahmen „nicht die Absicht einer Diskriminierung stehen“ soll. Entscheidend ist, dass faktisch eine diskriminierende Wirkung einerseits durch die fehlende Gleichbehandlung andererseits aber auch die einseitig-plakative Wertung objektiv gegeben ist.

4) Hier wie in allen bisher von ZDF-Seite abgegebenen Statements wird ausschließlich davon gesprochen, was Wunsch und Absicht der Macher von zdf.kultur ist. Eine große Mehrheit der Zuschauer lehnt diese Intentionen jedoch nachweislich ab. Die Zuschauer kommen in der Gedankenwelt von zdf.kultur bisher gar nicht vor. Herr Fiedler und die Redaktion nehmen vielmehr für sich das Recht in Anspruch, Ihre persönliche Sichtweise der Allgemeinheit dauerhaft aufzuzwingen. zdf.kultur wird mit den Gebühren der Zuschauer finanziert; daher ist das Bedürfnis der Macher des Senders, sich mit Schaffung einer „popkulturellen Marke“ widerspruchslos selbst zu verwirklichen, deren wesentlicher Bestandteil Intoleranz gegenüber bestimmten Programminhalten und Bevormundung von weiten Teilen des Publikums ist, nicht mehr vom öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gedeckt. Die kommentierten Sendungen wurden seinerzeit ebenfalls mit den Gebühren der Zuschauer finanziert.

5) Der Rahmen wirkt gerade nicht spielerisch, sondern als autokratische Zwangsmaßnahme, die in ihrer Dimension unverhältnismäßig und Ihrer Wirkung einer irreparablen Beschädigung gleichkommt. Es wurden von Zuschauern verschiedenste Vorschläge für Kompromisse gemacht wie z.B. den Rahmen optional durch eine Videotextseite erzeugen zu lassen (das wäre tatsächlich spielerisch), einen Wiederholungstermin der Sendungen ohne Rahmen anzusetzen oder den Rahmen durch einen kleinen Schriftzug unter dem Logo „zdf.Kult“ zu ersetzen (analog zu allen anderen Themenschienen auf dem Kanal). Auf all diese Vorschläge wurde bisher von zdf.kultur nicht eingegangen, da ein Zwangscharakter erwünscht ist.

6) Die Behauptung, der Rahmen sei authentisch und würde dem damaligen Seheindruck entsprechen, ist schon aus der Absicht heraus falsch, einen wertenden Kommentar abgeben zu wollen. Die Behauptung ist weiterhin auch technisch falsch, da der Rahmen gerade bei Röhrenfernsehern unterschiedlichster Marken und Typen aus den verschiedensten Baujahren trotzdem zu sehen ist und Nutzern von Röhrengeräten einen sichtbaren „Doppelrahmen“ aufnötigt, indem er lediglich einen Großteil der Ränder und teilweise auch Schriften schlicht abschneidet. Dieser Umstand wird bislang in allen Erklärungen ignoriert, da er nicht widerlegbar ist:
http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... JYxKhqm2P8
http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... QkhD-1iiY4

7) Es gibt derzeit keine nicht-kommerziellen Alternativen, die Sendungen anderweitig unkommentiert im Fernsehen zu sehen, um sie neutral wahrzunehmen und sich unbeeinflusst eine eigenständige Meinung bilden zu können. Sendungen wie „Dalli Dalli“, „Meine Frau Susanne“ oder „Ulrich und Ulrike“ sind und waren seit vielen Jahren auf keinem anderen Sender der ZDF-Familie in voller Länge zu sehen. ZDF Kultnächte sind erstens verhältnismäßig selten terminiert; zweitens zeigen sie nur Kompilationen von Ausschnitten und keine kompletten Sendungen in Originallänge. Sie bieten deshalb gerade keine Möglichkeit für die bevormundeten Zuschauer, sich ein unverfälschtes Bild zu machen. Seit Sendestart von zdf.kultur gab es übrigens keine einzige ZDF Kultnacht.

8 ) Trotz vergrößertem Senderbudget werden die Nostalgie-Sendungen seit Abschaffung des Theaterkanals nicht mehr redaktionell betreut – Inhalt, Mitwirkende, sonstige Hintergrundinformationen oder Erstausstrahlungsdaten sucht man im Internet oder im Videotext vergebens. Unter Ausschluß jeder gehaltvollen Information werden die Programme durch den Rahmen und begleitende abwertende Ansagen lediglich einseitig spöttisch, herablassend und negativ belegt als „Vorsicht alt – bitte bloß nicht ernst nehmen“. Es handelt sich damit nicht um eine Präsentation sondern um das „Vorführen“ im Sinne von Verächtlichmachung der betroffenen Sendungen und deren Urheber, die sich in bloßem Schlechtmachen erschöpft. Die Einwilligung der Urheber dieser Sendungen zur Kommentierung ist niemals erfolgt. Vielmehr sind die Urheber heute vielfach nicht mehr am Leben und können sich gegen dieses „Vorführen“ nicht mehr wehren.

9) Konkretes Beispiel für das diskriminierende „Vorführen“

Am 07.06.2011 sprach Jo Schück folgende Anmoderation; anschließend erfolgte die Ausstrahlung von "Dalli Dalli" mit Zwangsberahmung:

"Es klingt ein bisschen wie - das Drehbuch von - noch einem Nazi-Film. Der kleine Hans verliert seine Eltern an Krankheiten noch bevor er 16 wird, sein Bruder stirbt während des Holocausts. Hans versteckt sich während des Krieges drei Jahre lang in einer Schrebergartenkolonie - und überlebt. Nach dem Krieg wird er Entertainer, Regisseur und Moderator und irgendwann landet er im ZDF. Der kleine Hans heißt mit Nachnamen "Rosenthal" - "Dalli – Dalli"".
http://www.youtube.com/watch?v=hjoNMNHP7N0

Was kann und soll diese Haltung von zdf.kultur nun ausdrücken und insbesondere jungen Menschen konstruktiv mitgeben? Schlimmstenfalls bleibt bei Zuschauern ohne tiefergehendes Hintergrundwissen letzlich haften: „Nazis stammen nur aus Drehbüchern, Hans hat seinen Bruder im Stich gelassen und sich selbst versteckt, später aber doch die große Karriere gemacht“. Anschließend sieht der Zuschauer Hans Rosenthal im Zwangsrahmen, der das Negativbild weiter manifestiert, Sendung und Moderator einseitig als etwas „Altes“, „Fremdartiges“ wahrzunehmen, dem die gleichberechtigte Präsentation im Jetzt verweigert werden muß. Der Rahmen betont einseitig nur „Verstaubtheit“, schneidet dadurch den Weg für eine Brücke zum „Heute“ ab und produziert ein schlimmes Zerrbild. Die „Vorführung“ von Hans Rosenthal im Zwangsrahmen – damit hat zdf.kultur dem mittelalterlichen Pranger ein digitales Gesicht gegeben.

Erstaunlich, dass in Zeiten solch öffentlich-rechtlicher Entgleisungen ausgerechnet ein kleiner Privatsender aus Österreich zeigt, wie eine gehaltvolle, sachliche und informative Programmpräsentation aussehen kann, wenn Sendungen redaktionell betreut werden:
http://www.youtube.com/watch?v=o1Bum_u6eCM

10) Es ist bezeichnend, dass auf die Vorwürfe der kommerziellen Vorteilsnahme zu Lasten der Gebührenzahler bisher weder zdf.kultur noch Programmchef Daniel Fiedler eine offizielle Stellungnahme abgaben. Statt nun in einer glasklaren, unmißverständlichen Erklärung nachzuweisen, dass keine finanziellen Eigeninteressen im Spiel sind, weicht Herr Schächter dem Thema vage aus: „Ihre Annahme, durch den Rahmen eine kommerzielle Verwertung intensivieren zu wollen, kann ich nicht teilen.“ Im Hinblick auf den für Ende 2011 geplanten Start der groß angelegten kommerziellen Onlinevideothek „Germanys Gold“ erklärte Herr Schächter kurz zuvor in den Medien ausdrücklich das genaue Gegenteil. „Nutzer sollen dort gegen Gebühr oder begleitet von Werbung "Qualitätsinhalte aus 60 Jahren deutscher Fernsehgeschichte" abrufen können (…). Damit entstehe ein zentrales deutsches Programmarchiv im Netz. "Es geht um die Perspektive, großes Geld im Video-on-Demand-Bereich zu verdienen" (…).“ (Quelle: http://www.ftd.de/it-medien/medien-inte ... 45096.html ). Herr Schächter ist dem Unternehmen ZDF Enterprises als Vorsitzender des Aufsichtsrates verbunden und verschweigt diesen Umstand in seiner Antwort. Es liegt daher der dringende Verdacht nahe, dass sich Herr Schächter bei seiner Genehmigung des Rahmens mehr von den privatwirtschaftlichen Interessen von ZDF Enterprises leiten ließ, als von den Interessen der Zuschauer. In jedem Fall liegt hier ein offensichtlicher schwerwiegender Interessenkonflikt vor, der zum Nachteil der Gebührenzahler entschieden wurde. Der unglaubwürdige Umgang mit einem derart sensiblen Thema durch die Antwort von Herrn Schächter zeigt auch, dass man aus dem jüngsten Skandal um die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Kinderkanal gar keine Lehren gezogen hat.

11) Der Zwangsrahmen fördert bereits heute den DVD-Absatz der neutralen, unbeeinträchtigten Fassungen von Programmen wie „Der Bastian“, „Jakob und Adele“, „Das Erbe der Guldenburgs“ usw. Der frustrierte Zuschauer, der sich für diese Sendungen interessiert, greift genervt meist rasch zur DVD, um der Bevormundung zu entgehen. Gleichzeitig weckt der Zwangsrahmen im Hinblick auf die Zukunft schon heute gezielt Bedürfnisse, bislang noch nicht erhältliche Sendungen wie „Dalli Dalli“ oder „Disco“ später bei „Germanys Gold“ gegen Bezahlung ohne Bevormundung ansehen oder kaufen zu können. Der Zwangsrahmen ist hervorragend dazu geeignet dem Zweck und Ziel Vorschub zu leisten, die Sendungen für entspannten Genuß unbrauchbar zu machen und gleichzeitig für kommerzielle Produkte Neugier zu wecken und Kaufbereitschaft zu fördern.

12) Der Zwangsrahmen wird zwischen 13:00 Uhr und 15:30 Uhr platziert. Jugendliche Zuschauer sind bis 13:00 Uhr in der Schule; bis sie nach Hause kommen und das Mittagessen beendet haben; ist die Kultstrecke schon fast vorbei. Berufstätige können um diese Zeit ohnehin nicht zusehen. Bei bildungsfernen Schichten, die um diese Zeit am Gerät sitzen können, ist mit schlimmen Wirkungen zu rechnen (Vgl. oben Punkt 9). Die Leidtragenden des Zwangsrahmens sind im übrigen aber hauptsächlich Rentner und ältere Zuschauer.

13) Der Zwangsrahmen ist mit halbtransparenten TV-Senderlogos nicht vergleichbar. Auf modernen Röhrenfernsehern ist der Zwangsrahmen auch nach weit über 20 Minuten nach dem Umschalten als nachstrahlendes Geisterbild weiterhin zu sehen; dies bringt für viele Zuschauer erhebliche Unannehmlichkeiten mit sich. Obwohl dieser Effekt gegeben ist, nehmen Programmchef und Redaktion billigend und selbstverständlich in Kauf, dass ein Großteil der Zuschauer mit dieser nicht tolerablen Beeinträchtigung leben muß, um an der beabsichtigten Bevormundung weiter festhalten zu können.

14) Sachliche Kritikfähigkeit zeigte zdf.kultur bislang nicht; insbesondere Herr Daniel Fiedler als Hauptverantwortlicher hat bis zum heutigen Tag nie zu den zentralen Vorwürfen Diskriminierung, Zuschauerbevormundung und kommerzielle Begünstigung Stellung bezogen. In Interviews ignorierte er stets alle heiklen Fragen und beschränkte sich auf Eigenlob und einseitig-optimistische PR-Aussagen. Die Beschwerden werden auch im Programm selbst nicht sachlich behandelt. Argumente werden konsequent ignoriert, statt dessen sind Polemik und Zuschauerverspottung angesagt:
http://www.youtube.com/watch?v=BStQFwGi3qM
http://www.youtube.com/watch?v=X-8sdp9V ... re=related

15) Ab ca. dem 13.05.2011 wurde zudem die E-Mailadresse info@zdfkultur.de für mehrere Tage deaktiviert, indem man den MX-Record der Domain entfernte. Dies geschah offensichtlich, um ein weiteres Anwachsen der Beschwerdeflut zu verhindern. Ich selbst schrieb an verschiedenen Tagen drei Mails an zdf.kultur, die jedoch jeweils erst nach mehreren Tagen als unzustellbar zurückkamen. Vielen anderen Zuschauern erging es ebenso. Herr Fiedler behauptete zwar: „ (...) wir werden überhäuft mit Lob, mit Kritik, mit Anregungen. Der Dialog, der uns so wichtig war, er läuft.“ (Quelle: http://www.satundkabel.de/index.php/nac ... -zuschauer ). Sobald es um Kritik ging, fand ein echter Dialog in Wirklichkeit jedoch nie statt.


IV) Schlußwort

Zwischenzeitlich kann man sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass zdf.kultur hier stoisch nach dem Prinzip „Was es nicht geben darf, gibt es einfach nicht“ handelt. Würde man den Rahmen abschalten, müßte man eigene Fehler eingestehen und die eigene Haltung kritisch hinterfragen. Dazu ist man nicht bereit, so bleibt nur hartnäckig die Augen vor allen Argumenten zu verschließen und weiter auf dem eingeschlagenen Kurs der Zuschauerentmündigung zu beharren. Mit Ausnahme von Herrn XX hat die Behandlung der Angelegenheit „Retro-Rahmen“, vor allem aber der Umgang mit den gebührenzahlenden Zuschauern durch den Sender bisher jede Form von Aufrichtigkeit, Kritikfähigkeit, Dialogbereitschaft und Toleranz vermissen lassen.

Dabei sollte nicht übersehen werden, dass es zwischenzeitlich längst nicht mehr nur um den Rahmen an sich geht, sondern um das Verhältnis des ZDF und seiner Macher in den Chefetagen zu sich selbst und einen verantwortungsvollen Umgang mit Programminhalten und Publikum. Um jeden Preis „jung“ möchte man sein und vergisst dabei völlig, dass oberlehrerhafte Bevormundung und Zuschauerverspottung auch bei Jugendlichen so ziemlich das Letzte sein dürfte, das als „cool“ empfunden wird. Das durch diese selbstgerechte „Haltung“ mittlerweile auch dem öffentlichen Bild des ZDF insgesamt schwerer nachhaltiger Schaden zugefügt wird, will bisher scheinbar niemand wahrhaben.

Aktuell ist zdf.kultur dabei, sich als intolerantes, pubertierendes Pöbelfernsehen mit Unfehlbarkeits- und Absolutheitsanspruch zu positionieren. Selbstherrliche Machtausübung ohne Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, scheint das Credo. Diese herablassende Haltung verärgert auch Zuschauer, denen der Rahmen an sich relativ gleichgültig wäre. Sie kann auch deshalb nicht widerspruchslos hingenommen werden, da hier gezielt die Grenzen in Richtung privates Verdummungsfernsehen immer weiter ausgedehnt werden sollen, gleichzeitig dafür aber Gebühren erwartet werden. Programmpolitik wie bei zdf-kultur trägt maßgeblich dazu bei, Akzeptanz und Legitimation eines öffentlich-rechtlichen Gebührenanspruchs immer mehr auszuhebeln. Dabei wäre verantwortungsbewußtes öffentlich-rechtliches Fernsehen heute so wichtig.

„90% des Fernsehprogramms bestehen aus Erniedrigung und Schadenfreude“ (Hagen Rether). Von zdf.kultur kann in dieser Hinsicht selbst RTL2 im Moment tatsächlich noch dazulernen. Bei „Big Brother“ entscheiden die Mitwirkenden zumindest noch selbst, ob sie in den Container gehen oder nicht. Bei zdf.kultur werden Hans Rosenthal, Erik Ode, Brigitte Horney oder Carl-Heinz Schroth nicht danach gefragt.

Mit freundlichen Grüßen,

c.n.-tonfilm

3pwood
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Beitrag von 3pwood » 27.07.2011, 07:57

Ich finde du reagierst ein wenig über.

Es ist ganz schön mühsam sich durch deine Anschreiben zu lesen.
Wo findest du die Zeit dafür dich so darein zu hängen.

Irgendwie stoße ich in jedem Forum auf dein Anliegen.
Wenn ich ehrlich bin - es gibt doch wichtigeres.
So ganz nachvollziehen kann ich das nicht.

Ich glaube auch nicht, dass das ZDF die Rahmen jemals entfernen wird.
Da hat sich irgendwann mal eine Werbeagentur rangesetzt und ein neues Design für einen neuen Sender erstellt. Und ehrlich gesagt, ich finde es auch garnicht so schlimm.

Aber ich will eigentlich auch garnicht darüber diskutieren, es würde ja eh kein Ende nehmen. Anstrengend ...

c.n.-tonfilm
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Beitrag von c.n.-tonfilm » 27.07.2011, 18:58

3pwood hat geschrieben:Ich finde du reagierst ein wenig über.

Es ist ganz schön mühsam sich durch deine Anschreiben zu lesen.
Wo findest du die Zeit dafür dich so darein zu hängen.

Irgendwie stoße ich in jedem Forum auf dein Anliegen.
Wenn ich ehrlich bin - es gibt doch wichtigeres.
So ganz nachvollziehen kann ich das nicht.

Ich glaube auch nicht, dass das ZDF die Rahmen jemals entfernen wird.
Da hat sich irgendwann mal eine Werbeagentur rangesetzt und ein neues Design für einen neuen Sender erstellt. Und ehrlich gesagt, ich finde es auch garnicht so schlimm.

Aber ich will eigentlich auch garnicht darüber diskutieren, es würde ja eh kein Ende nehmen. Anstrengend ...
Ich denke, alles auf den Rahmen zu reduzieren ist viel zu einfach. In meinen Augen geht es hier um zentrale Fragen wie Rundfunkfreiheit, Programmethik und Machtmißbrauch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Einer Plattform wie „Germanys Gold“ und natürlich DVDs von alten ZDF-Sendungen stehe ich vom Prinzip her positiv gegenüber und würde mir z.B. „Meine Frau Susanne“ auch gern auf DVD kaufen. Es ist aber nicht legitim, dafür Sendungen im gebührenfinanzierten Free-TV gezielt unattraktiv zu machen.

Ideologisch gesehen versucht man hier, bisher fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen geltende Grenzen gegenüber dem Privatfernsehen immer mehr aufzuweichen. Schiebt man dem nicht rechtzeitig einen Riegel vor, wird Niveau und Programmethik insgesamt künftig noch drastischer sinken. So gesehen geht es hier nicht um Lappalien oder Kavaliersdelikte.

Als ob die Institution ZDF mit der „Causa Brender“ seine Glaubwürdigkeit nicht schon genug beschädigt hätte kommt hier hinzu, dass ein Dialog mit den Verantwortlichen nicht möglich ist. Da bleibt eben nur die Möglichkeit zum einen Öffentlichkeit herzustellen und zum anderen den zur Verfügung stehenden Rechtsweg auszuschöpfen. Ein Antrag im Rahmen dieses Rechtswegs ist der Natur der Sache nach nun mal einfach nicht ganz leichte Kost.

Als Berufstätiger habe ich die Zeit eigentlich gar nicht, sondern opfere dafür den Feierabend, an dem ich auch lieber entspannt Hans Rosenthal gucken würde. Spaß macht das sicher nicht.

Ich gehe davon aus, dass man sich vor allem deshalb so schwer mit der Entfernung des Rahmens tut, weil seine Entwicklung und Ausarbeitung vermutlich Unsummen verschlungen hat, die jetzt z.B. im redaktionellen Bereich fehlen. Laut eigener Angabe von zdf.kultur wurde der Rahmen von einem 70-köpfigen Kompetenzteam entwickelt. Es wäre sicher nicht uninteressant zu erfahren, welche Firmen im einzelnen daran verdient haben und wer dort alles in der Geschäftsführung sitzt. Würde man den Rahmen jetzt so einfach abschalten, sähe man sich in Erklärungsnot, wie diese Kosten zu rechtfertigen sind. Der aktuelle Fall Kinderkanal zeigt leider, dass findige Abrechnung von sinnlosen Kosten keine an den Haaren herbeigezogenen Phantasien sein müssen.

Unterm Strich geht es hier um Grundwerte und die Gebühren von uns allen – auch die von Dir.

c.n.-tonfilm
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Programmbeschwerde "Rahmen" geht vor den Fernsehra

Beitrag von c.n.-tonfilm » 07.08.2011, 21:31

Hier die Antwort von Herrn Polenz: die Programmbeschwerde wird vor dem Fernsehrat verhandelt; mit einem Ergebnis ist jedoch erst nach dem 07.10.2011 zu rechnen:

Bild

Hier gibt es übrigens ein Interview mit Programmchef Daniel Fiedler im Deutschlandradio, welches vor dem Sendestart erfolgte. Da sieht man im Nachhinein nochmal sehr gut den Unterschied zwischen PR-Sprüchen und Wirklichkeit. Die Aufhebung der Trennung zwischen E und U, zwischen Hochkultur und Popkultur war versprochen, statt dessen werden Barrieren errichtet zwischen "Gestern" und "Heute". Als Höhepunkt gibts noch einen Freudschen: die Inhalte sollen im subjektiven "Wertekorsett" (kein Witz!) betrachtet werden...
http://www.podcast.de/episode/2183069/C ... DF_Kultur/

Herr Fiedler arbeitet scheinbar allzu gern mit Gewalt und Holzhammer. Ihm haben wir, es wie es aussieht, auch zu verdanken, dass bei Thementagen auf 3sat permanent überdimensional "Thementag" eingeblendet werden muß... http://www.presseportal.de/pm/7840/9394 ... -nachfolge

c.n.-tonfilm
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Entscheidung des ZDF Fernsehrats ohne Begründung

Beitrag von c.n.-tonfilm » 16.10.2011, 15:01

Die Antwort kam nun letzte Woche. Ein lapidarer Standardbrief, der vermutlich am Ende jeder Programmbeschwerde beim ZDF steht. Ein Bezug auf die detaillierte Beschwerdebegründung vom 27.06.2011 wird sogar im Hinblick auf das Datum vermieden, auch sonst kein Bezug zur Beschwerde, keine Begründung, kein Nichts. Ich habe das bei CDU-Mann Ruprecht Polenz bereits gerügt. Demokratisches öffentlich-rechtliches Fernsehen in Deutschland 2011 - das ZDF ist am Tiefpunkt seiner Würdelosigkeit angelangt.

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